Altersvorsorge für Selbstständige: Was du wissen musst
Altersvorsorge für Selbstständige: Was du wissen musst
Wer angestellt ist, zahlt automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung ein – ob er will oder nicht. Wer selbstständig ist, hat diese Pflicht meist nicht. Das klingt nach Freiheit. Ist aber eine Falle, in die erschreckend viele Selbstständige tappen: Sie verdienen gut, sorgen nicht vor – und stehen im Alter mit nichts da.
In diesem Artikel erfährst du, welche Möglichkeiten Selbstständige zur Altersvorsorge haben und wie du eine solide private Strategie aufbaust.
Das Problem: Selbstständige fallen durchs Netz
In Deutschland gilt die gesetzliche Rentenversicherungspflicht für die meisten Angestellten automatisch. Für Selbstständige gilt sie nur in wenigen Ausnahmefällen – etwa für Handwerker, Lehrer oder Hebammen. Die große Mehrheit der Selbstständigen und Freiberufler ist nicht pflichtversichert.
Das bedeutet: Wer selbstständig arbeitet und nicht aktiv vorsorgt, hat im Alter ausschließlich das, was er selbst aufgebaut hat. Keine staatliche Rente, kein Arbeitgeberzuschuss, kein Auffangnetz.
Die wichtigsten Vorsorge-Optionen im Überblick
| Option | Geeignet für | Steuerlicher Vorteil | Flexibilität |
|---|---|---|---|
| ETF-Depot (privat) | Alle Selbstständigen | Nein (Abgeltungssteuer auf Erträge) | Sehr hoch |
| Rürup-Rente (Basisrente) | Gut verdienende Selbstständige | Ja (bis 27.566 € absetzbar in 2026) | Gering (kein Kapitalzugriff) |
| Freiwillige gesetzliche RV | Selbstständige die Rentenpunkte wollen | Begrenzt | Mittel |
| Immobilien | Kapitalstarke Selbstständige | Indirekt (Abschreibungen) | Gering (illiquide) |
| Berufsständische Versorgung | Ärzte, Anwälte, Architekten etc. | Ja | Gering |
Option 1: ETF-Depot – die flexibelste Lösung
Für die meisten Selbstständigen ist ein privates ETF-Depot die sinnvollste Basis der Altersvorsorge. Du investierst monatlich in breit gestreute ETFs, profitierst vom Zinseszinseffekt und behältst jederzeit Zugriff auf dein Kapital – ein entscheidender Vorteil gegenüber starren Rentenversicherungen.
Der Nachteil: Keine steuerliche Förderung. Erträge werden mit der Abgeltungssteuer (25 % + Solidaritätszuschlag) besteuert. Trotzdem ist das ETF-Depot für viele Selbstständige die erste Wahl, weil Flexibilität in der Selbstständigkeit Gold wert ist.
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Option 2: Rürup-Rente – Steuern sparen, aber unflexibel
Die Rürup-Rente (auch Basisrente genannt) ist speziell für Selbstständige konzipiert. Der größte Vorteil: Die Beiträge sind steuerlich absetzbar – 2026 bis zu 27.566 € (bei Alleinstehenden). Das kann besonders für gut verdienende Selbstständige mit hohem Steuersatz sehr attraktiv sein.
Der Nachteil: Das eingezahlte Kapital ist nicht vererbbar, nicht beleihbar und nicht vorzeitig auszahlbar. Die Rürup-Rente ist eine lebenslange Rente – kein Kapital auf Abruf. Wer Flexibilität braucht, wird damit unglücklich.
Fazit: Rürup lohnt sich vor allem für Selbstständige mit hohem Einkommen und hoher Steuerlast, die langfristig planen und auf die Steuerersparnis setzen wollen.
Option 3: Freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen
Selbstständige können freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Das ermöglicht den Aufbau von Rentenansprüchen und schützt auch bei Erwerbsminderung. Der Mindestbeitrag liegt bei etwa 100 € pro Monat, der Höchstbeitrag bei knapp 1.400 € (2026).
Für Selbstständige, die langfristig auch staatliche Rentenansprüche aufbauen wollen und von Zusatzleistungen der Rentenversicherung (Reha, Erwerbsminderungsrente) profitieren möchten, kann das eine sinnvolle Ergänzung sein.
So baust du als Selbstständiger eine solide Vorsorge auf
- Notgroschen zuerst: 3–6 Nettomonatsgehälter als liquide Reserve – besonders wichtig bei schwankendem Einkommen. Mehr dazu: Notgroschen aufbauen: Wie viel, wo und in welcher Form?
- ETF-Sparplan als Basis: Mindestens 10–20 % des Einkommens monatlich investieren – auch in schwächeren Monaten
- Rürup prüfen: Wenn du gut verdienst und einen hohen Steuersatz hast, lohnt sich die steuerliche Förderung
- Berufsunfähigkeit absichern: Eine BU-Versicherung ist für Selbstständige noch wichtiger als für Angestellte – das Einkommen hängt an der eigenen Arbeitskraft
- Regelmäßig überprüfen: Einmal im Jahr Sparrate und Strategie anpassen – Selbstständige haben variable Einnahmen
Wie viel sollte man als Selbstständiger zurücklegen?
Als Faustregel empfehlen Finanzexperten für Selbstständige mindestens 20 % des Nettoeinkommens für die Altersvorsorge zu reservieren – deutlich mehr als die 10–15 % die Angestellten oft anpeilen. Der Grund: Kein Arbeitgeberzuschuss, kein staatliches Sicherheitsnetz.
In guten Monaten gilt: Mehr zurücklegen als nötig. Das gleicht schwächere Monate aus und beschleunigt den Vermögensaufbau.
Fazit: Selbst handeln ist Pflicht
Als Selbstständiger bist du in der Altersvorsorge komplett auf dich gestellt – das ist gleichzeitig Freiheit und Verantwortung. Wer früh und konsequent vorsorgt, kann im Alter finanziell unabhängig sein. Wer es ignoriert, riskiert Altersarmut.
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Haftungsausschluss: Alle Inhalte dienen ausschließlich der Information und stellen keine Anlageberatung dar. Investitionen sind mit Risiken verbunden. Weitere Informationen findest du unter Impressum und Haftungsausschluss.
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