Notgroschen aufbauen: Wie viel, wo und in welcher Form?

Bevor du in ETFs oder Aktien investierst, bevor du einen Sparplan einrichtest, bevor du auch nur einen Euro in Wertpapiere steckst – gibt es eine einzige Aufgabe, die du zuerst erledigen musst: deinen Notgroschen aufbauen.

Das klingt langweilig. Ist es auch. Und genau deshalb machen es so viele falsch oder überspringen es komplett. In diesem Artikel erfährst du, warum der Notgroschen die wichtigste Grundlage jeder Finanzstrategie ist, wie viel du wirklich brauchst und wo du ihn richtig anlegst. Die wichtigsten Grundregeln für deinen Vermögensaufbau findest du in unserem Artikel Geldanlage für Einsteiger: Die 5 wichtigsten Regeln.


Was ist ein Notgroschen und warum ist er so wichtig?

Ein Notgroschen – manchmal auch Notfallfonds oder eiserne Reserve genannt – ist ein Geldbetrag, der ausschließlich für echte Notfälle reserviert ist. Nicht für den Sommerurlaub. Nicht für das neue Smartphone. Sondern für Situationen, die wirklich unvorhergesehen und finanziell belastend sind: die Waschmaschine gibt den Geist auf, das Auto braucht eine teure Reparatur, du verlierst deinen Job oder wirst längere Zeit krank.

Warum ist das so entscheidend für deine Geldanlage? Ganz einfach: Wer keinen Notgroschen hat, ist bei einem finanziellen Notfall gezwungen, sein Depot anzutasten – selbst dann, wenn die Kurse gerade 30% im Minus sind. Du verkaufst dann buchstäblich zum schlechtesten Zeitpunkt, realisierst Verluste und zerstörst damit die langfristige Wirkung deines ETF Sparplans.

Der Notgroschen ist dein finanzielles Sicherheitsnetz. Er schützt nicht nur dich, sondern auch deine Investments.


Wie viel Notgroschen brauchst du wirklich?

Die klassische Faustregel lautet: drei bis sechs Netto-Monatsgehälter. Aber wie bei allen Faustregeln gibt es Ausnahmen, je nach deiner persönlichen Situation.

Situation Empfohlener Notgroschen
Single, fester Job, keine großen Verpflichtungen 3 Nettomonatsgehälter
Paar, ein Einkommen oder eigene Immobilie 4–5 Nettomonatsgehälter
Familie mit Kindern oder Selbstständige 6 Nettomonatsgehälter
Selbstständige mit unregelmäßigem Einkommen 6–12 Nettomonatsgehälter

Praktisches Beispiel: Du verdienst 2.500 Euro netto im Monat und lebst allein in einer Mietwohnung mit einem sicheren Arbeitsplatz. Dein Notgroschen sollte mindestens 7.500 Euro betragen – drei Monatsgehälter, die jederzeit verfügbar sind.

Wichtig: Es geht nicht darum, diesen Betrag exakt auf den Euro zu treffen. Es geht darum, dass du weißt, dass du auch bei einem unerwarteten Schock nicht gezwungen bist, deine Geldanlage anzutasten.


Drei Eigenschaften, die dein Notgroschen haben muss

Nicht jede Anlageform eignet sich für den Notgroschen. Er muss drei Eigenschaften gleichzeitig erfüllen:

1. Sofort verfügbar
Du musst jederzeit und ohne Verzögerung auf das Geld zugreifen können – kein Verkauf von Wertpapieren, keine Kündigungsfristen, keine Wartezeiten. Im echten Notfall zählt jeder Tag.

2. Sicher
Der Wert darf nicht schwanken. Was heute 10.000 Euro wert ist, muss morgen noch 10.000 Euro wert sein – unabhängig von Börsenkursen, Zinsentwicklungen oder anderen Marktereignissen.

3. Getrennt vom Alltag
Der Notgroschen gehört auf ein separates Konto, nicht auf dein Girokonto. Wenn er mit deinem laufenden Geld vermischt ist, gibst du ihn früher oder später für Dinge aus, die kein echter Notfall sind.


Wo legst du den Notgroschen am besten an?

Das Tagesgeldkonto: Die beste Wahl

Das Tagesgeldkonto ist die optimale Lösung für deinen Notgroschen. Es kombiniert alle drei notwendigen Eigenschaften: Das Geld ist täglich verfügbar, durch die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Bank und Person abgesichert, und es liegt sauber getrennt von deinem Girokonto.

Zusätzlicher Bonus: Auf dem Tagesgeldkonto bekommst du Zinsen – aktuell je nach Anbieter zwischen 1,5% und 2,5% pro Jahr. Das ist kein Rendite-Wunder, aber immerhin deutlich besser als unverzinstes Girokonto und ausreichend, um zumindest einen Teil der Inflation auszugleichen.

Bei Trade Republic beispielsweise wird dein Guthaben auf dem Verrechnungskonto automatisch mit 2,00% p.a. verzinst – ohne extra Konto, ohne Aufwand. Den besten Broker für dich findest du in unserem Broker-Vergleich 2026.

Das Girokonto: Notlösung, keine Dauerlösung

Technisch gesehen ist das Geld auf deinem Girokonto sofort verfügbar und sicher. Aber es gibt zwei Probleme: Erstens wird in der Regel kein oder kaum Zins gezahlt. Zweitens vermischt sich der Notgroschen mit deinen laufenden Ausgaben – die psychologische Trennung fehlt. Nutze das Girokonto allenfalls als Übergangslösung, bis dein Tagesgeldkonto eingerichtet ist.

Was du für den Notgroschen vermeiden solltest:

Anlageform Warum ungeeignet
Aktien und ETFs Kurse können genau dann fallen, wenn du das Geld brauchst
Festgeld Geld ist für Monate oder Jahre gebunden – kein Zugriff im Notfall
Kryptowährungen Extreme Schwankungen, kein Kapitalschutz
Bargeld zuhause Kein Zins, Diebstahlrisiko, Inflationsverlust

Schritt für Schritt: So baust du deinen Notgroschen auf

Einen Notgroschen aufzubauen braucht keine komplizierte Strategie. Es braucht nur Konsequenz.

Schritt 1: Monatlichen Bedarf berechnen
Addiere alle deine monatlichen Fixkosten: Miete, Strom, Lebensmittel, Versicherungen, Abos. Das ist dein monatlicher Grundbedarf – multipliziert mit drei bis sechs ergibt das dein Ziel.

Schritt 2: Tagesgeldkonto eröffnen
Eröffne ein separates Tagesgeldkonto, das du ausschließlich für den Notgroschen verwendest. Verwechsel dieses Konto nicht mit deinem Depot oder deinem Girokonto.

Schritt 3: Automatisch besparen
Richte einen festen monatlichen Dauerauftrag ein – zum Beispiel 100 oder 200 Euro direkt nach Gehaltseingang. Was du nicht siehst, gibst du nicht aus.

Schritt 4: Nicht anfassen
Der Notgroschen ist kein Urlaubskonto. Nicht für günstige Schnäppchen. Nicht für spontane Ausgaben. Nur für echte Notfälle.

Schritt 5: Erst dann investieren
Sobald dein Notgroschen vollständig aufgebaut ist, kannst du mit gutem Gewissen in ETFs oder Aktien investieren. Nicht vorher. Wie du dann startest erklärt unser ETF Sparplan Einsteiger-Guide.


Häufige Fehler beim Notgroschen

Fehler 1: Gar keinen aufbauen
Der häufigste und teuerste Fehler. Wer ohne Notgroschen investiert, riskiert, in einem Crash verkaufen zu müssen.

Fehler 2: Zu wenig ansparen
Drei Monatsgehälter klingen nach viel – sind es aber nicht, wenn du etwa als Selbstständiger oder Alleinverdiener mit Familie lebst. Lieber großzügiger planen.

Fehler 3: Den Notgroschen investieren
Manche Anleger finden es verschwendet, 10.000 Euro „einfach so" auf einem Tagesgeldkonto liegen zu haben. Das ist falsch gedacht. Der Notgroschen ist keine Investition – er ist eine Versicherung. Und Versicherungen kosten Geld, das ist ihr Sinn.

Fehler 4: Einmal aufbauen und vergessen
Wenn sich deine Lebenssituation ändert – neues Kind, höheres Gehalt, Immobilienkauf – solltest du auch deinen Notgroschen anpassen.


Fazit: Der Notgroschen kommt zuerst

Der Notgroschen ist unspektakulär. Er bringt keine hohe Rendite, er wächst nicht schnell und er wird nie im Gespräch für Aufregung sorgen. Aber er ist das Fundament, auf dem jede solide Finanzstrategie aufgebaut ist.

Erst der Notgroschen, dann der Sparplan. Diese Reihenfolge ist nicht verhandelbar – und wer sie einhält, schläft deutlich ruhiger, egal was die Märkte gerade machen.

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